Kommentar Stephan Fauth


Es kriselt nicht nur

Die Konjunkturdelle ist längst in der Thüringer Wirtschaft angekommen. Alle wichtigen Parameter – Auftragseingang, Produktion, Dynamik – zeigen nach unten. In manchen Branchen ist es bis jetzt nur eine Delle, in anderen, wie der Metall- und Elektroindustrie, hat bereits eine Talfahrt begonnen. Wie lange sie dauern wird, ist ungewiss.

Aktuelle Zahlen des IWT - Instituts der Wirtschaft Thüringens belegen, dass sich die Auftragslage zwischen den letzten beiden Quartalen 2019 deutlich verschlechtert hat. Noch im dritten Quartal verzeichnete mehr als die Hälfte der Firmen (57,4 Prozent) eine gute Auftragslage. Zum Jahresende erwarten dies deutlich weniger (42,6 Prozent). Klar ist, dass sich das auf die Lage der Beschäftigten auswirkt. Vorerst sind die Zeiten des Personalaufbaus vorbei. Demografische Entwicklungen spielen hier mit hinein.

63 Prozent der befragten Firmen gehen zum Jahresende nicht von Personalaufbau aus – wie in den vergangenen Jahren –, sondern wollen den Beschäftigtenbestand stabil halten. Insbesondere in der Thüringer Automobilindustrie ist die nachlassende Konjunktur mit Umsatzrückgängen von bis zu 20 Prozent besonders spürbar. Konjunkturdelle und strukturelle Effekte wie Digitalisierung und E-Mobilität kommen zusammen.

Nach fast zehn Jahren wäre eine konjunkturelle Delle an sich nicht problematisch. Doch auf einen längeren Abschwung ist unser Land nicht gut vorbereitet. Ob Politik oder Tarifpolitik. In guten Zeiten hört niemand gern die Mahnung, dass die Zeiten wieder schlechter werden könnten. Diese Zeiten sind da. Es wird schwerer, beschlossene Ausgaben in schlechteren Zeiten zu erwirtschaften. Noch gibt es keine flächendeckende Kurzarbeit. Allerdings ist der Beratungsbedarf besonders in der Metall- und Elektroindustrie sprunghaft gestiegen. Große Herausforderungen für die Thüringer Wirtschaft werfen ihre Schatten voraus. Unternehmen dürfen nicht weiter belastet werden.
 

Aus Unternehmen für Unternehmen - Dezember 2019/Januar 2020